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Post von Ole

Endlich heute morgen hat mein Briefkasten den lang ersehnten Brief ausgespuckt. Ole hat mir geschrieben:

»Am 24.Februar wird in Hamburg gewählt.«
Mensch Ole! das ist an mir nicht vorbeigegangen! wo glaubst du wo ich wohne?

»Ich bitte um ihr Vertrauen«
Ich sag mal Vertrauen ist gut, eingehende genaue Überprüfung ist besser. Aber sag doch erstmal worum es geht.

»Liebe Hamburgerinnen und liebe Hamburger«
Warum so unpersöhnlich?

»Wir Hamburger lieben unsere Stadt und können uns kaum vorstellen, irgendwo anders zu leben.«
Das ist jetzt erstmal total Verallgemeinernd was du da schreibst, und wo bleiben jetzt auf einmal die Hamburgerinnen? Sag bloss die können sich vorstellen wo anders zu leben.

»Woran liegt das?«
Ole, Ole ich befürchte jetzt kommen Unterstellungen.

»Hamburg ist besonders schön, hat viel Grün, viel Wasser und wurde nach dem Leid und der Zerstörung des Krieges mit viel Fleiß wieder aufgebaut.«
Hab ich es doch gesagt, wo bleibt den da bitte meine Meinung. Du könntest den Satz mindestens mit „ich meine“ einleiten. Das Hamburg »besonders schön« ist, stellt die Frage wozu auf, »hat viel Grün« und »viel Wasser« mag im vergleich zu Bagdad stimmen, in Rio hat es aber gleich mehr Wasser, mit echtem Strand und das ganze Jahr ist es da Grün. Und als wenn die Schäden an Häusern jetzt unbedingt das erste sind was mir zu diesem Krieg (welcher überhaupt, nenne ihn doch mal beim namen) einfällt… naja aber jetzt hab ich dich unterbrochen.

»Die letzten Jahre waren besonders erfolgreich:«
Geil, Geil, Richtig Geil ist das! Persönlich würd ich mal so sagen höhen und tiefen.

»Die Zahl der Touristen, die unsere Stadt besuchen, hat sich seit dem Jahre 2001 um 50 Prozent erhöht.«
Ja siehste was die Öffnung der Innen EU Grenzen und die Euro einführung so gebracht hat.

»Die Touristen bewundern die wirtschaftliche Kraft der Stadt,«
Nicht nur die! Einige wollen auch ein bischen länger bleiben und teil davon werden. Aber ich weiss schon das ist seit letztem Sonntag kein Thema mehr für dich. Ausserdem würde ich die »die wirtschaftliche Kraft« auch gern bewundern, wo kann ich das machen?

»die dynamik des Hafens,«
Das versteh ich nicht, was ist den die dynamik des Hafens, lass uns mal an den Hafen gehen und du zeigst mir sie und vielleicht können wir sie zusammen bewundern.

»die vielen neuen Arbeitsplätz,«
Echt dafür gibts Touristen Rundfahrten um die zu Bewundern? Das notier ich mir, wäre mal was für den nächsten Besuch.

»entstehende Sehenswürdigkeiten,«
So work-in-progress mässig, kenn ich! Find ich auch immer Gut das Konzept, so teilhaben lassen am Entstehungsprozess.

»das Stadtbild und das große kulturelle Angebot.«
Relativ, sag ich. London zum Beispiel, ganz anderer Schnack. Dagegen ist Hamburg richtig Wüste würde ich mal sagen, Fallen mir noch ein Paar andere Städte ein, was hast du nochmal am Anfang geschreiben?

»Und die Touristen, wie wir auch,«
Richtig Schwungvoll jetzt den Satz mit »Und« beginnen zu lassen, wovon hast du dir den das angewöhnt?

»können sich sicherer und geborgener fühlen als noch vor einigen Jahren:«
Wer sind »Wir« jetzt? Ich weiss nicht so recht ob du mich da mit reinziehen kannst. Ich denk an meine Kindheit, da war was von geborgenheit und sicherheit. Ausserdem was ist mit dennen die nicht »Wir« oder »Touristen« sind? Achja, nicht mehr dein Thema!

»Es gibt keine offene Drogenszene am Hauptbahnhof mehr,«
Am Hauptbahnhof habe ich nie Geborgenheit gesucht, Unsicher fand ich ihn nur in Bezug auf „kriege ich den Zug“ oder „fährt der Zug pünklich“ empfunden.

»weniger Gewalt,«
schwirig, ganz schwirig. kann ich persönlich schlecht beurteilen deine aussage. wie hiess das dingens nochmal… strukturelle… na. habs vergessen.

»weniger Einbrüche«
Die Alster war in den letzten Jahren auch nicht mehr eingefrohren. haha. na spass beiseite. wenns deine statistiken hergebEn. gebongt.

»und viel mehr Polizisten.«
und sogar in neuen Uniformen! Geil! Richtig Geil!

»Ich möchte diese Arbeit, die zu diesen großen Erfolgen geführt hat, mit ihnen gemeinsam fortsetzen.«
Wir haben doch noch garnicht zusammengearbeitet. Ist das jetzt ein Angebot auf eine Anstellung? Mensch das würd mich ja Freuen, das Arbeitsa… aeh die Agentur für Arbeit meldet sich bei mir nämlich nicht mehr mit Angeboten seit ich keine Bezüge mehr kriege. Aber macht mir nix aus, habe ja genug zu tun, aber es lässt sich ja über alles verhandeln.

»Dazu gehört vor allem, Hamburg wirtschaftlich noch stärker zu machen,«
Ja, Geil, Klatsch, Klatsch, Jubel!

»Schulden zurückzuzahlen«
Ja Punkt Eins jeden Monats Ersten aufm Zettel!

»und mit der wiedergewonnenen Kraft diejenigen zu unterstützen, die es alleine nicht Schaffen.«
Na meinste die die nicht »Wir« oder »Touristen« sind oder wenn oder was oder wie. Den Punkt wünsch ich mir etwas genauer. kommt aber nix:

»Wahlversprechen, die nur auf Pump bezahlt werden können, werden sie von mir nicht hören.«
Aber so Funktioniert halt das System. Ich weiss du bis eher für den Ausverkauf. So wie die damals am Hauptbahnhof rumlungernden Menschen, die ihren gesamten Haushalt verkauft haben und dan Mittellos dort die geborgenheit des Bahnhofs gesucht haben. Kann man so machen. Kann man aber auch sein lassen.

»Dafür aber meine Garantie, mit meiner Mannschaft Hamburg weiter zu einer der erfolgreichsten Metropolen Europas zu entwickeln.«
Gut Sportlich ausgedrückt. Keine Versprechungen – eine Garantie! Ich nehme Dich beim wort Ole! Auf Garantien gibt es ja Rückgabe oder Entschädigung wenns nicht klappt. Das Entwickeln klingt jedoch nicht nach einen Plan, hättest du „machen“ gesagt hättest du mich jetzt überzeugt. Apropo Mannschaft, ich dachte in deinem Sportverein sind auch Frauen.

»Dies geht am besten mit klaren Verhältnissen,«
Hätte ich auch gern „klare Verhältnisse“ aber das leben ist nunmal Hart sag ich mir immer wieder und so Dynamisch und Abwechslungsreich. Ich komme ins philosopieren…

»mit einer eindeutigen Mehrheit für meine Politik und mich. Darum bitte ich Sie ganz persönlich.«
Ich biete Dir mein Du an!

»Herzlichst ihr Ole von Beust«
Mensch hab ich mich gefreut! Wie Nett!

Entfremdung

Der Mensch sei in einem Konflikt, »durch den Anspruch seines inneren Wesens, den Inhalt des Begriffs der Menschheit in Person zu schaffen«, und durch seine Natur, »von sich aus zu den Gegenständen außer ihm überzugehen«. Genau diese Wiederholung zeigt aber beispielsweise eines der Probleme von geistigem Eigentum: Etwas sieht genauso aus, ist aber etwas ganz anderes. Entfremdung ist Selbstentfremdung, so wie Erkenntnis gleich Selbsterkenntnis ist – ein Prozess, in dem das Selbst seine Wirklichkeit als durch seine Tätigkeit geworden begreift und sich diese seine Wirklichkeit aneignet. Es ist also ein höheres Bewusstsein seiner selbst, der Geist wird im menschlichen Bewusstsein Gegenstand seiner selbst.
Ein weiteres Strukturmerkmal stellt die zunehmende Entfremdung Gregors einhergehend mit seiner Verwandlung dar. Zunächst scheint die Verwandlung nur rein äußerlich zu wirken. Körperlich ist er zu einem Tier geworden, doch im Bewusstsein noch ein Mensch, denn schließlich will er sich noch wie ein Mensch bewegen und vollzieht lange Denkvorgänge.
Erst im Unterwegs des Kräftespiels zwischen dem Einen und Anderen des Ganzen ist die gegenseitige produktive Entfremdung zwischen dem Einen und Anderen des Werdenden möglich. Die Möglichkeit des Kräftespieles ist aber überhaupt erst aus der Existenz des Gegensatzes gegeben, der wiederum Bedingung der Möglichkeit
der gegenseitigen Reflexion der jeweiligen Andersartigkeit der zwei Aspekte des Einen ist. So muß sich alles im vorliegenden Fall insbesondere die unwirkliche kulturelle und geistige Wirklichkeit seiner doppelten Zweiseitigkeit bewußt sein, anstatt in Einseitigkeit zu verfallen oder zu verharren und damit unwahr zu werden bzw. zu
bleiben und im daraus hervorgehenden Stillstand gar nicht zu sein.
Die Entfremdung setzt nicht erst mit der Arbeit ein, sie beginnt nicht mit der Erweiterung des Eigenbedarfs hin zu einem anonymen Markt, nicht mit der Arbeitsteilung, durch die man sich nicht mehr wieder erkennt und auch nicht mit fremdbestimmten Arbeitsanweisungen. Sie beginnt weit vorher. Die Figur des Subjektes ist per se sich selbst entfremdet, denn die Erfahrung – und das Subjekt gründet sich auf der Erfahrung – ist Vergegenständlichung von sich selbst, konstituiert
sich durch Vergegenständlichung. Dabei treten Subjekt als Selbstbewusstsein und Objekt, als die äußerliche Welt auseinander. Entfremdung ist die Bewegung des sich selbst Wirklichkeit gebenden Subjekts, also Selbstentfremdung. Daraus folgt eine sich sukzessiv höherentwickelnde Durchdringung von Subjekt und Objekt.
Der Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft, produziere nicht für sich selbst und sei zufolge der Arbeitsteilung nur ein Glied in der Produktionskette.
»Entfremdung« ist ein notwendiger Prozeß der Differenzierung der Kultur. Zur Differenzierung gehört aber das Moment der Trennung und des Umschlags, der Verwandlung in sein Gegenteil.
Die Konstitution des Subjekts als Erfahrbares, als Sichtbares besteht damit aber immer zugleich in einer »Unterwerfung«, die Unterwerfung unter ein bestimmtes sichtbares und damit wiederholbares Format, unter ein Format, das immer auch angeeignet werden kann. (Man kennt das. So Sachen wie: „Das habe ich nicht gesagt.“, oder „Das habe ich so nicht gesagt.“).
Das »Nichtidentische« ist nichtidentisch, fremd, äußerlich, nur unter dem Gesichtspunkt der Identität. Daß Identität sein soll, gilt Adorno als der einzige Grund der Entfremdung.
„Wem das Dinghafte als radikal Böses gilt; wer alles, was ist, zur reinen Aktualität dynamisieren möchte, tendiert zur Feindschaft gegen das Andere, Fremde, dessen Name nicht umsonst in Entfremdung anklingt; jener Nichtidentität, zu der nicht allein das Bewußtsein, sondern eine versöhnte Menschheit zu befreien wäre.“
Das ist Gesetz. Wo gäbe es da einen Irrtum? »Dieses Gesetz kenne ich nicht«, sagte K. »Desto schlimmer für Sie«, sagte der Wächter. »Es besteht wohl auch nur in Ihren Köpfen«, sagte K., er wollte sich irgendwie in die Gedanken der Wächter einschleichen, sie zu seinen Gunsten wenden oder sich dort einbürgern. Aber der Wächter sagte nur abweisend: »Sie werden es zu fühlen bekommen.«
Das Moment der Entfremdung ist uns also ursprünglich. Und anstelle die Entfremdung, die vom Kapitalismus ständig geleugnet wird und geleugnet werden muss, zu beklagen, anstelle die Entfremdung beseitigen zu wollen, sollte man sich in Zeiten der neuen Produktivkraft »geistiges Eigentum« über Folgendes klar sein: Entfremdung ist ein gefährliches Moment.

Wilhelm von Humboldt, Mercedes Bunz 69 ,Karl Marx, G. W. F. Hegel, Theodor Adorno, Franz Kafka, Daniela Liebig, Linda Krause