Archiv der Kategorie 'gehünere'
songstrukturen sind falsch und unkonkret, wir suchen die unendlichkeit die auf den höhepunkt zusteuert und ihn doch nie erreicht.
ich sitze in einem kasten. ich sitze ( oder liege, stehe vielleicht auch bewege mich ) in meinem zimmer. das heisst das ich jetzt hier sitze, doch meistens bin ich nicht hier in diesen, von rechten winkeln vorgegebenen, territorium. ich sitze in meinem raum, die wand ist der gartenzaun, von meinem freiraum. meinem, selbst erdachten oder zugeschriebenen, gefängniss. das heisst, meisstens halte ich mich hier ja eigentlich nicht auf. ich werde meistens zum marktplatz getragen, das heisst, getragen ist gut. ich werde gezogen, auf einem karren, man hat mir die beine abgeschnitten und zieht mich auf den marktplatz. obwohl, ich ziehe mich selber auf den marktplatz, so wie ich mir morgens, noch in duft der nacht, meiner warmen decke, die schuhe anziehe. ich ziehe auf den marktplatz um mich abends wieder zurückziehen zu können, in den eigenen raum. zwei drittel meiner! zeit kostet mich der raum in dem ich wohne, das letzte drittel brauche ich um mich auszuruhen, um am nächsten morgen, wieder! mich selbst auf den marktplatz zu ziehen. ich ziehe mich gern hin, manschmal auch weniger + es ist dort nicht so einsam.
um mich herum wohnen andere, so wie ich, in zuwenig platz und zu nah beieinander, oder manchmal glaube ich zu denken das wir nicht eng genug beieinander wohnen – (eckel). die grösse ist oft in einem grösseren abstand wirklich gross, oder erscheint mir so. was ist grösse? die richtige grösse ist die, welche die nötige masse in sich aufnehmen kann. heute fühle ich mich sehr schwer, daher erscheint mir die grösse nicht die richtige, aber vor müdichkeit ist mir das auch einerlei. vor unmündigkeit vielleicht aber auch, und davon müde. müde vom schweigen und vom nicht zuhören dessen was ich nicht sage, aus dem grund da mir keiner zuhört. wobei mir das zuhören selber, wo ich es selber eventuell nicht immer kann, doch hoffe, schwerfällt. scheiss hippies, scheiss essentialisten, scheiss expressionisten.
»[…] konkret heisst das aber auch, das sie das aufgeben des warten auf die revolution, eingetauscht haben gegen das hoffen auf das unmögliche. die rückzugsräume sind theoretische rosa sofas von denen jedwegige praxis wie muppetzuschauer zu begaffen ist. da die theorie und deren machbarkeit nicht von einer praxis verschmutzt werden darf, wird sich besserwisserisch dem gegenteil hingegeben. da wir aber meinen, das sich nur was bewegt wen sich was bewegt und das es schönere dinge gibt, über die es sich zu streiten gibt, haben wir beschlossen uns unvermittelbar unterzutauchen. […] bettelt nicht auf aufnahme in unserer gruppe, nach den ersten ergebnissen unserer kommenden praxis, wenn ihr sie überhaupt wahrnehmen werdet. […]«
aus dem communique #1 der post-intellektuellen konstruktivistischen Relativisten, 2010
der herr ackermann auf der schablone mag sich ja eventuell selber als player bezeichnen, aber »don`t fight the player, fight the game«? kapitalismus ist doch kein spielchen sondern eher dochzumal tödlicher ernst. dagegen fand ich die idee bei der wm, wo alle sich über die, vorallem deutschen fans, aufgeregt haben besser: »don`t fight the fans, fight the game«, das wiederum liesse sich auch wiederum auf die kapitalismuskritische parole abgleichen, wenn mensch es als spiel ansieht.
merve 324 „kunst fixierter klänge“ von dem franzosen michel chion ist mir aus dem bücherladenregal in die hände gefallen. das buch ist schon 1991 in frankreich erschienen, aber jetzt erst ins deutsche übersetzt worden. chion geht hier auf den ursprung der musique concrete, welche von pierre schaeffer einst definiert worden ist, zurück und erstellt davon ausgehend ein manifest der kunst der fixierten klänge. im gegensatz zu partituren und aufführungen wird das in raum und zeit sich ereignende klangliche geschehen erst durch die fixierung auf einem tonträger zu einem werk, vergleichbar mit einem gemälde oder einer bildhauerei (rodins figuren sind aus festem stein und auch nicht aus knetgummi).
der „deutsch-französischer streit“ zwischen der musique concrete und der elektroakustik wird hier aufgerollt. chions stellt fest das musique concrete nicht nur arbeiten mit sogenannten „natur“ klängen ist, sondern auch inszinierte klangereignisse – sei es ein stuhlknarzen oder das zupfen an einer gitarre oder ein synthesiser – zur konkreten musik werden durch die fixierung auf einen tonträger und damit zu einem werk das weiter geht als jegliche partitur oder „live“ aufführung derer.
interresant auch jede menge vergleiche und abstecher in den bereich des films. wie verhällt sich der stummfilm gegenüber einer aufführung eines konkreten werkes wo es keine bilder zu gibt?
»Was ist das für ein unvermeidlicher und doppeldeutiger Bezugspunkt der aktuellen Musik, mit dem man sich schmücken muss, um zur Avangarde zu gehören? Das ist die Elektroakusitk im weitesten Sinne: Maschinen, Tonbandgeräte, Klangtransformationen und elektrische Relais. […] Gleichzeitig wehren sich diejenigen, die diese Bezugnahme zur Schau tragen, dagegen, ihre Gefangenen zu sein: sie erinnern sogleich daran, das sie keine Handwerker und Bastler sind, sondern Komponisten im klassischen und edlen Sinne, das heißt Leute, die Partituren schreiben und sie dann spielen oder dirigieren. Der doppelte Kurzschluss, den die Elektroakustik durch Aufzeichnung ermöglicht – den des Stadiums der Partitur und den des Stadiums der Ausführung, die durch den Tonträger beide unnütz werden – wird von ihnen verachtet, sie sehen darin sogar eine Gefahr für ihre Kaste. Damit können sich ja, wie sie sagen „jeder Beliebige“ ins Komponieren einmischen. Was tun sie, um diese schreckliche Gefahr abzuwenden? Sie schicken sich an, das Territorium zu besetzen.«
das siebte kapitel ist besonders amüsant. es ist wie ein gespräch zwischen hörer und aufführer von konkreter musik geschrieben:
»Aber die Frage des Konzerts liegt nicht nur in der Natur des konkreten Werkes und in der technischen Weise seiner Aufführung. Sie liegt auch beim Hörer. Auch heute stellt dieser immer wieder die Frage nach dem Hören. dieser Musikstücke: Was soll man im Konzert tun, wenn man mit den Lautsprechern und nichts anderem konfrontiert wird?
Die einzige und ehrliche Antwort auf diese wichtige Frage besteht in einem Wort – und es wäre schade, wenn man in ihm nur einen Scherz sehen würde. Sie wollen wirklich wissen, was man mit der Musik fixierter Klänge machen muss, wenn es nichts zu sehen gibt und kein Instrument in Echtzeit spielt? Das ist einfach, es genügt, wenn Sie sie … hören.«
Michel Chion: Die kunst fixierter Klänge – oder die Musique Concrètement, Merve Verlag Berlin 2010.